SOLLTE MAN GENDERN?! MEINE MEINUNG

SOLLTE MAN GENDERN?! MEINE MEINUNG

Gendern, ja oder nein?

 

In der letzten Stunde des Ethikunterrichts kam im Kurs die Frage auf, ob man gendern sollte oder ob besagtes Gendern die deutsche Sprache zerstöre. „Gendern“ bezeichnet den Ausdruck, geschlechterneutrale Begriffe zu verwenden. In der Realität heißt das also, anstatt von den „lieben Schülern“ von den „lieben Schülerinnen und Schülern“ oder gleich den „lieben Lernenden“ zu  reden. Viele Gegenstimmen kamen auf, diese neue Idee sei überflüssig, anstrengend und nicht zielführend.

Tatsächlich bin ich aber schon seit längerer Zeit dafür, das in den meisten Universitäten eingeführte „Gendern“ auch in der Schule zu übernehmen. Viele verschiedene Studien und Tests ergaben, dass die Menschen bei Begriffen wie „Sportler“ oder „Sänger“ hauptsächlich männliche Personen assoziieren, obwohl aus dem Kontext hervorging, dass beide Geschlechter angesprochen waren.  Obwohl den Menschen also klar war, dass bei der Frage, wer denn ihr Lieblingssportler sei, beide Geschlechter genannt werden konnten, dachten die meisten unterbewusst nur an männliche Personen. Als ich bei einem Selbstexperiment im Sozialkundeunterricht selbst in diese Falle tappte und bei verschiedenen Fragen nur männliche Personen nannte, wurde mir diese große Beeinflussung der Sprache und das damit verbundene Problem bewusst. Nun mag einer sagen, dass dieses unbewusste Assoziieren des männlichen Geschlechts nicht wichtig sei. Tatsächlich aber kämpfen wir in unserer Gesellschaft schon lange um die Gleichberechtigung von Mann und Frau, erst im Haushalt, nun vor allem im Job. Versuche wie eine Frauenquote sollten die Etablierung der Frauen in Führungspositionen in Unternehmen sicherstellen.

Doch ich bin dafür, viel kleiner zu beginnen – nämlich an unser aller Denken im Alltag. Wenn die meisten Menschen bei männlichen Begriffen verschiedener Berufsbezeichnungen hauptsächlich männliche Personen assoziieren, ist klar, dass es für Frauen schwerer wird, sich in diesem Berufsfeld zu etablieren und die Chance wird kleiner, dass sie es überhaupt in Erwägung ziehen. Gleichberechtigung fängt bei unserem Denken an und viele Jahre lang waren Männer ja faktisch die einzigen, die arbeiten durften und deshalb mit den Berufen assoziiert wurden. Doch meiner Meinung nach sollte man nun gerade an der Sprache ansetzen, um die Gleichberechtigung zu fördern! Warum noch viele Jahre darauf warten, dass sich die Gesellschaft weiter ändert und dann diese Änderung in Form einer veränderten Sprache aufgreifen, wenn es möglich ist, sich diesen Zusammenhang zu Nutze zu machen und durch eine Sprachänderung die Gleichberechtigung in der Gesellschaft zu fördern? Denn: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ – Ludwig Wittgenstein. Also los, lasst die Sprache die Diversität der Gesellschaft wiederspiegeln, um zu zeigen, dass heutzutage Frauen in jeglichen Berufsfeldern aktiv sein können und es auch sind!

Immer wieder hört man, dass bei Benutzung des Wortes „Professor“ oder „Arzt“ die weiblichen Personen ja mitgedacht worden sind.  Doch ich will nicht nur durch eine hierarchische Benutzung der Sprache „mitgemeint“ worden sein, sondern klar angesprochen werden! So, dass nicht nur ich mich explizit genannt fühle, sondern auch allen Lesern klar ist, dass es hier sowohl um männliche, als auch weibliche Personen geht.

Viele Gegner wenden  ein, das Gendern sei zu aufwändig und dazu noch stolpere man im Satz über die gegenderten Begriffe. Dass gegenderte Wörter länger und aufwändiger zu schreiben sind, ist nicht abzustreiten. Mir erscheint das aber als einen verschmerzbaren Minuspunkt im Vergleich zum Nutzen. Auch die Einwände, dass „Gendern“ den Lesefluss stört, kann ich nicht bestätigen. Es ist nur logisch, dass es Menschen, die Jahre, nein, jahrzehntelang nur die männlichen Begriffe gelesen haben, komisch und ungewohnt vorkommt. Doch je vertrauter man damit wird, desto normaler wird es und desto weniger fällt es beim Lesen auf. Gleiches gilt beim Schreiben. Anfangs mag es noch viel Aufwand kosten, sich an das Gendern zu erinnern, irgendwann geht es dem Schreiber aber in Fleisch und Blut über. Gendern ist also schlichtweg eine Gewohnheitssache.

Wer nun fragt, warum das Ganze, wenn Männer und Frauen heutzutage doch sowieso gleichberechtigt sind, dem kann ich sagen, dass wir noch lange nicht bei der vollständigen Gleichberechtigung angekommen sind! Ein häufig genanntes Beispiel ist hier die unterschiedliche Bezahlung, doch kommen z.B. auch Straftaten wie Vergewaltigungen  viel häufiger bei Frauen vor. Und auch außerhalb Deutschlands gibt es noch zahlreiche Länder, in welchen Frauen stark unterdrückt werden.

Abschließend kann natürlich jede/r für sich entscheiden, ob er/sie seine Texte gendern möchte oder nicht. Wichtig finde ich es aber, dass man der noch sehr jungen und deshalb beeinflussbaren Schülerschaft das neutrale Wort „Lernende“ – um nur ein Beispiel zu nennen  – nicht spöttisch präsentiert. Man mag das Gendern nicht unterstützen, doch sollte doch jede/r nach Unterbreitung der Vor- und Nachteile die Chance bekommen, über den Einsatz selbst und unbeschwert zu entscheiden. Ich habe mich dazu entschieden, das Gendern zu unterstützen, da ich der Meinung bin, mit wenig zusätzlichem Aufwand so das Denken der Menschen (unbewusst) zu verändern und die Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern!

 

eurelenaa

2 Gedanken zu „SOLLTE MAN GENDERN?! MEINE MEINUNG

  1. Liebe Lena

    Was für ein interessanter Beitrag zu einem interessanten Thema. Ich persönlich versuche wenn möglich immer zu gendern. Gerade bei kürzeren Texten sehe ich absolut kein Problem.

    Wie du bin ich auch der Meinung, dass Sprache unseren Alltag beeinflusst und wir daher versuchen sollten möglichst gendergerechte Sprache zu verwenden. Aber es ist klar, dass man sich dafür auch bewusst darauf achten muss, wenn man bisher nur die männliche (oder in gewissen Fällen auch nur die weibliche Form) verwendet hat.

    Liebe Grüsse

    Josia

  2. Liebe Lena,

    ich bin durch Twitter auf das Gendern aufmerksam geworden: In meiner Bubble sind ein paar Trans-Leute, die sich immer und immer wieder für das Gendern aussprechen. Infolge dessen ist mir in der Schule aufgefallen, dass viele gar keine Lust haben, sich damit zu befassen, das Gendern übertrieben und nervig finden. Selbst manche Lehrer sind damit überfordert.

    Ein konkretes Beispiel? Bei uns in der Schule war die Berliner Compagnie zu Gast für eine Art Podiumsdiskussion. Die Schreiberin des Stücks, was sie am Abend aufgeführt haben (ich konnte es mir leider nicht anschauen), heißt Helma Fries und hat auch im Stück mitgespielt. Sie ist transsexuell und hat deshalb eine tiefe Stimme, obwohl sie als Frau lebt. Im Theater spielt sie allerdings oft Männerrollen – der Einfachheit halber. Ein paar Tage nach dem Theaterstück haben wir es im Deutschunterricht besprochen und meine Deutschlehrerin hat von Helma Fries als „er“ gesprochen. Ich habe gesagt, dass es eine Frau ist, worauf sie entgegnete, dass „er“ aber einen Mann gespielt habe. Schön und gut, aber Helma Fries ist trotzdem eine Frau! Die Diskussion darüber wurde jedoch von meiner Lehrerin im Keim erstickt.

    Ich bin insgesamt für mehr Sensibilisierung in der Schule für das Gendern. Auch mit dem Gedanken, was in der Sprache nicht vorhanden ist, ist auch nicht in den Köpfen der Menschen da. Ich benutze gerne das Beispiel der Farben. Während die Menschen in Afrika unzählige Wörter für Rottöne haben, haben wir vielleicht fünf. Die Afrikaner*innen können aber auch mehr Rottöne unterscheiden als wir. Dadurch, dass sie Namen dafür haben, ist die Unterscheidung sicher. Wir sehen vielleicht den Unterschied, erkennen ihn aber kaum an, weil wir lediglich die Unterscheidung (bspw.) hellrot und dunkelrot haben.

    Ich freue mich auf deine Antwort.

    Liebe Grüße
    Mila

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